Als der „schönste Tag im Leben“ wird der Hochzeitstag gerne bezeichnet.
Auch wenn er für das heiratende Paar von großer persönlicher Bedeutung ist, so sagt dieser Tag auch viel über die Bräuche und Sitten des Landes aus, aus dem die Heiratswilligen stammen.
Die meisten Hochzeiten werden in Deutschland auch heute noch traditionell gefeiert. Auch wenn Braut und Bräutigam nicht kirchlich heiraten, sondern nur standesamtlich getraut werden, wird diese eher nüchterne Amtshandlung gerne im weißen Brautkleid absolviert. Dass die Braut ein weißes Kleid mit Schleier trägt, ist eine noch relativ junge Erscheinung.
Erst im 19. Jahrhundert setzte sich diese, an adligen Vorbildern orientierte Mode durch, die bald zum Inbegriff der Braut schlechthin wurde. Bis dahin hatten die Bräute Kleider oder Trachten, vorwiegend in roten Farben oder auch in feierlichem strengen Schwarz, getragen.
Auf dem Kopf wurde die Brautkrone befestigt, ein reich verziertes, kunstvolles Gebilde. Bis in die Zeit der Römer geht hingegen der Brauch zurück, der Braut einen Ring an den Finger zu stecken. Man glaubte, durch den zweiten Finger der linken Hand flösse eine Vene – die Liebesader – direkt zum Herzen, weshalb dieser Finger der Ringfinger genannt wurde, an den man die in Liebe geschenkten Ringe steckte.
Der Ritus der Ringübergabe ist seit dem 2. Jahrhundert vor Christus bezeugt. Der Verlobte schenkte ihn der Braut als Zeichen der Liebe und des Heiratsversprechens. So alt wie dieser Brauch sind auch typische Ringformen. So waren Ringe gebräuchlich, die zwei verschränkte Hände oder ineinander verschlungene Knoten zierten, Symbole des Zueinandergehörens und miteinander Verbundenseins.
Seit dem 13. Jahrhundert wurde es in Deutschland und Frankreich, später auch in England, üblich, sich den Ring gegenseitig anzustecken. Die Ringe sollten die gegenseitig geschworene eheliche Treue und das „Aneinandergefesseltsein“ symbolisieren. Die Ringe trugen oft Edelsteine von symbolischer Bedeutung, zum Beispiel einen Diamant, der für Unverbrüchlichkeit und Ewigkeit stehen sollte.
Ab dem 17. Jahrhundert bürgerten sich schlichte Eheringe ein. Bis heute sind die am häufigsten getragenen Eheringe zwei schlichte goldene Reifen mit eingravierten Daten und Namen, die die Tragenden als Eheleute ausweisen, wenn der Ring an der rechten Hand getragen wird. In unseren Tagen sind solcherart Symbole nicht mehr allgemein verbindlich. Die traditionellen Bräuche werden individuell verändert und variiert. So ist es durchaus üblich geworden, selbst entworfene Ringe herstellen zu lassen, die mit sehr privaten Symbolen ausgestattet sind. Es ist auch möglich Ringe selbst herzustellen, wobei sich die symbolische Aussage im Akt des eigentätigen Herstellens manifestiert.
Viele tragen gar keine Ringe und manche tragen sie – wie die alten Römer – links.Die Zahl und Vielfalt der Bräuche, die rund um das Hochzeitsfest üblich sind, ist kaum zu überblicken. Es gilt böse Hausgeister zu vertreiben, die kurz vor der Heirat hinter der Braut her sind – daher der Krach am Polterabend. Oder aber die nach der Braut Ausschau haltenden bösen Geister sollten hereingelegt werden. Das geschieht dadurch, dass der Bräutigam die Braut leise über die Schwelle des neuen Hauses trägt. Reis und Blumen werden geworfen als Zeichen der Fruchtbarkeit im materiellen wie im physischen Sinne. Und auch schon vor der Hochzeit gilt es, allerlei tief im Brauchtum verwurzelte Handlungen auszuführen: Die Brautleute werden zum Beispiel auf ihre Ehetauglichkeit geprüft. Wobei heute nicht zwingend der Mann als potentieller Ernährer der Familie vielerlei Scherzaufgaben standhalten muss. Diesen Part, die Geschäftstüchtigkeit unter Beweis zu stellen, übernehmen auch häufig die Bräute.